In den letzten Jahren habe ich immer wieder versucht, auch schwierigere Dinge in meinem Informatikunterricht zu zeigen. Ein großes Problem, welches sich immer wieder ergeben hat, war, dass die Schüler mit Programmiersprachen, die Variablen und andere Dinge beinhalten können, keine Verbindung aufbauen. Es fällt ihnen unglaublich schwer, sich verändernde Umstände zu überlegen, obwohl sie jeden Tag erleben, wie sich die Umstände, unter denen sie eine App oder eine Internetseite benutzen, verändern. Es fehlt immer wieder ein Gefühl für den Kontext einer Sache.

Aus diesem Grund habe ich mich, nach zugegebenermaßen sehr langem und zähen Ringen dazu entschlossen, mit meinen Schülern an Scratch zu arbeiten, da sie hier nicht nur die direkten Auswirkungen von Variablen sehr gut sehen können, sondern auch das Schreiben von Quellcode selbst in den Hintergrund gerückt wird. Scratch konzentriert sich darauf, dass Funktionen mit Bausteinen geschaffen werden, um diese dann direkt austesten zu können.

Zwar habe ich meinen Kurs noch nicht vollständig fertig bekommen, jedoch hat sich bereits in einem ersten Durchlauf gezeigt, dass der Kurs bereits jetzt relativ gut funktioniert, denn Scratch lässt sich nicht nur in unterschiedlichen Sprachen bedienen, sondern ist auch zugänglich für Menschen, die ansonsten nur sehr wenig Erfahrungen im Umgang mit dem Computer haben. Insbesondere die späteren Lektionen, wo es um das Erstellen eines gesamten Spieles geht, haben aber auch meine guten Schüler an ihre Grenzen gebracht.

Ich kann also nur sagen, dass ich trotz aller Vorbehalte, die ich gegenüber Scratch hatte, es auch weiterhin gerne im Unterricht benutzen werde. Es erscheint mit als ein geringeres Übel, das ich gerne annehme, dass die im Internet verfügbare Version von Scratch nur einen Klick von einem vielfältigen Angebot an Ablenkungen entfernt ist. Aber selbst diese Ablenkungen, habe ich ich gelernt, stellen kein großes Problem dar, sobald man die Schüler über ein gewisses Einstiegsniveau gebracht hat. Dann sind sie nämlich in der Lage mit eben diesen Ablenkungen zu spielen, sie in Teilen zu verstehen und in eigene Projekte zu verwandeln. Warum sollte man sich nicht anschauen, wie andere Menschen ein eigenes Problem bereits gelöst hat?

Zusammenfassend ist zu sagen, dass ich trotz aller Vorbehalte gegenüber Scratch mit der Zeit wirklich Gefallen daran gefunden habe. Ich denke, wenn man sich der Stolpersteine bewusst ist, dann gewinnt man mit Scratch einen tollen Spielpartner für den eigenen Unterricht.