Am letzten Wochenende war ich in Wiehl beim Ultraviking. Ein Rennen, das schon im Vorfeld für viel Wirbel in meiner Timeline gesorgt hat, denn scheinbar wollten sämtliche Besitzer von Tickets diese im Laufe der letzten Monate verkaufen und es gab scheinbar unendliche Diskussionen darüber, ob und wie viele Leute tatsächlich vom Start bis ins Ziel kommen würden. Aus meiner persönlichen Erfahrung eine sinnlose Diskussion, denn Spekulationen bringen häufig nichts und außer dem gesteigerten Ego einiger weniger Personen bewegt sich am Ende dann doch nichts.

Es kam, wie es kommen musste. Am Renntag war es unfassbar kalt, was bedeutete, dass viele der Hindernisse auf der ersten Runde noch von Eis überzogen waren. Insbesondere der Cagecrawl wurde dadurch zu einer echten Qual. Nach einiger Zeit war es dann so weit und die Sonne kam heraus, was das ganze Rennen jedoch noch deutlich schwieriger machte, denn nun wechselten sich kalte Strecken im Wald mit warmen Strecken in der Sonne ab. Der Wechsel auf ein kurzes Oberteil war auch nur bedingt clever, da nun die nächsten Tauchgänge im Wasser noch wesentlich härter waren. Egal. Musste ich durch, bin ich durch, lebe noch. Trotz aller Rechnerei hatten wir jedoch irgendwie einen Fehler gemacht, der uns dann in der dritten Runde fast zum Verhängnis geworden wäre, wenn uns nicht ein Helfer auf das nahende Zeitlimit aufmerksam gemacht hätte. Also schnell im Spurt zurück zum Ziel gerannt und ab auf die letzte Runde, für die wir dann noch unfassbar viel Zeit hatten. Ich bin bis heute davon überzeugt, dass es irgendwie einen logischen Fehler in allem gibt, der mir verborgen geblieben ist. Am Ende sind wir dann gut ins Ziel gekommen und waren völlig müde.

Wesentlich spannender als das Rennen selbst, ist nun aber, was im Nachgang passiert. Kaum war das Rennen vorbei kamen auf facebook massive Vorwürfe auf, dass so viel geschummelt worden sei. Ich persönlich habe davon nichts großartig gesehen, außer ein paar Leute, die sicher in der falschen Gruppe gestartet sind. Es ist mir aber auch egal. Dieser Samstag war ein Rennen, eine Herausforderung, für mich, gegen mich.

Ein sehr interessanter Aspekt in der Diskussion über das Rennen ist jedoch, dass, was ich nie vermutet hätte, der Blick auf so eine Veranstaltung auch unter Menschen, die ich ansonsten für recht ähnlich halte, massiv variiert. Ich habe für mich deshalb überlegt, als was ich den Ultraviking ansehen kann, denn ist es ein Wettkampf, ist das Schummeln schlimm und muss bekämpft werden, ist es ein Funrun, ist es wichtiger, dass alle ihren Spaß haben und heil ankommen. Aus diesem Grund habe ich mir überlegt, welche Dinge ein Wettkampf haben muss. Es handelt sich meiner Ansicht nach um:

  1. Schiedsrichter, die disqualifizieren können
  2. Zeiterfassung an verschiedenen strategischen Stellen der Strecke
  3. strategisch verteilte Schiedsrichter an Weggabelungen etc.

Alle diese Dinge waren beim Ultraviking nicht vorhanden. Zwar gab es Helfer, diese waren jedoch weder so aufgeteilt, dass ein Mogelversuch verhindert werden könnte, noch zahlreich genug, um Strafen zu verhängen, zu zählen und gleichzeitig die Hindernisse zu beobachten. Zeiterfassung gab es auch nur sehr eingeschränkt und in keinem Fall so, dass sie einen sauberen Wettkampf gewährleisten könnte. Auch an den Weggabelungen gab es niemanden, der auf die Läufer geachtet hat. Ohne Probleme hätten wir aus jeder unserer 19 km Runden eine 13 km Runde machen können. Sieht man davon ab, dass es keine Schiedsrichter gab, hätte uns niemand disqualifizieren können, da niemand anwesend war.

Der Einwand, dass es sich bei dem Ultraviking um einen Wettkampf handelt, weil es ein Zeitlimit gegeben hat, lasse ich an dieser Stelle nicht gelten, denn für ein so langes Rennen muss es ein Zeitlimit geben. Es geht gar nicht anders. Ab einem gewissen Punkt müssen die Menschen aus dem Wald sein. Mindestens aus Gründen der Haftung wäre alles andere blanker Wahnsinn. Das Zeitlimit sehe ich daher bei solchen Veranstaltungen eher als einen Schutz für Natur und Teilnehmer.

Zusammenfassend ist für mich zu sagen, dass ich finde, dass der Ultraviking ein super hartes Event ist, es sich aber nicht um einen Wettkampf handelt, da hierfür die Bedingungen nicht gegeben sind. Ich würde gerne wieder an den Start gehen und mich im Wettkampf mit mir selbst messen.

Wie steht ihr zu meinen Gedanken?